Ciao bella Italia!

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Ciao bella Italia!

9. März 2017 Allgemein, Mag 0

Text und Bilder: Eliana Graf

Zürich, Sonntagmorgen. Ich stehe auf. Auch das noch. Jetzt habe ich sogar von Varazze geträumt. Verschlafen reibe ich mir die Augen. Soll ich es nun einfach machen? Das Auto nehmen und in zwei Tagen 10 Stunden alleine Auto fahren? Meine Surffreunde haben beide im letzten Moment den geplanten Trip abgesagt. Nun weiss ich nicht so recht und mache mir erst mal einen Kaffee, überlege hin und her, werfe einen Blick auf die Uhr und rechne. Könnte hinhauen. So einfach lasse ich mir das Wochenende doch nicht verderben! Besser den Trip alleine zu machen, als stinkig zu Hause zu sitzen, nicht? Also ziehe ich mein Bikini an und fahre los.

Etwas später fahre ich durch die schneebedeckten Berge. 17 Kilometer geradeaus, mit meinem Surfbrett im Auto. Völlig angespannt sitze ich im Auto, so dass ich vor lauter Nervosität beinahe zur Gefahr für meine Mitmenschen werde. Ich überlege, ob ich nur mal kurz vor dem Zoll von der Autobahn fahren soll, mir irgendwo im netten Tessin einen zweiten Kaffee gönne und dann halt wieder umkehre. Ich rechne ein zweites Mal, noch wäre die Rückfahrt kürzer als die Weiterfahrt. Doch die Neugier siegt. Also heisst es bald: Benvenuti sulle autostrade italiane!

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Eine halbe Stunde vor Varazze muss ich dann doch noch schnell runter von der Autobahn. Aber nicht um umzukehren, sondern, weil ich etwas Hunger habe und Lust auf einen italienischen Kaffee verspüre. Was ich dabei nicht erwarte, ist ein kulinarisches Wunderwerk der Extraklasse. Und so staune ich nicht schlecht, als es kurz darauf eintrifft. Nur schon deshalb hat sich die Reise in mein zweites Heimatland gelohnt! Das Brötchen, ein leckeres Schinkenbrötchen mit warmer Büffelmozarella, der Kaffe, ein Latte Macchiato, der sämtliche Hipsterkaffees aus Zürich in den Schatten stellt.

Etwas später stehe ich neben meinem Auto am Meer. Spüre, wie der Wind durch meine Haare weht, rieche Salzluft, sehe die italienische Flagge, surfbare Wellen und einige Surfer, die sich bereits im Wasser befinden. Es ist einfach unglaublich. Ich bin wieder einmal superstoked und kann es kaum glauben. Ich komme mir vor wie in einem Traum. Einen winzigen Augenblick später sitze ich in Italien auf meinem Surfbrett und rede mit den Locals in meiner zweiten Muttersprache. Endlich mal keine Verständigungsschwierigkeiten! Ansonsten schlage ich mich mit eher mässigen Portugiesischkenntnissen durch oder versuche Englisch mit irgendeinem Akzent zu verstehen.

Italien gefällt mir aber auch aus anderen Gründen, die italienische Mentalität ist ganz die meine. Die Italiner sind so kommunikativ wie ich selber es bin. Also rede ich, als ich wieder festen Boden unter meinen Füssen habe, mit einem ganzen Haufen von Leuten, hauptsächlich Mailänder. Und staune nicht schlecht, als ich dann sogar zwei Schweizer kennen lerne. Gemeinsam sitzen wir am Meer, schauen den Surfern zu und sehen wie der Swell immer stärker reindrückt. Ganz langsam sehen wir, wie sich beinahe Barrells formen. Etwas später dannn: Barrells!!! Barrells im Mittelmeer. Wer hätte das jemals gedacht..?

Doch mein Wochenende ist noch nicht vorbei. Zum Znacht esse ich einen Mittelmeerfisch und freue mich auf den nächsten Tag, bis ich die Veränderung im Surfforecast sehe. Mist, ein neuer Swell kommt wie aus dem Nichts. Oje, ich bin ja heute schon in Wellen gewesen, die etwas über meiner surfbaren Schwierigkeitssufe liegen und nun soll statt der Beruhigung das Ganze nochmals stark werden. Doch auch das ist Mittelmeer und gehört wohl einfach mit dazu. Ein Forecast, auf den man sich nicht wirklich verlassen kann. Am Montagmorgen gönne ich mir also eine weitere Session, diesmal bleibt es aber leider wie vorhergesagt, anspruchsvoll. Etwas später ziehe durch die Gässchen des Kurortes und dann ja, dann ist es Montagabend.

Am Gotthard werde ich mit Schnee begrüsst. In Zürich mit Feierabendverkehr. Und laufe kurz darauf mit einem nassen Neoprenanzug und einigen neugekauften Flaschen italienischen Wein in meine Wohnung. Setze mich hin, schüttle den Sand aus meinen Socken. Am nächsten Tag spüre ich den Muskelkater in den Armen, als ich etwas an die Wandtafel kritzle. Lächle leise vor mich hin, als die ersten Schüler eintrudeln. Ach, ich bin so froh, dass ich dort gewesen bin!

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Über den Autor

Eliana: Die Redakteurin vom WaveupMag ist vor einigen Jahren mit einem Secondhandsurfbrett aus Mozambique zurückgekehrt. Seitdem surft die Maturitätsschullehrerin und Germanistin in beinahe allen Schulferien. Ihr Lieblingsspot ist Peniche in Portugal, wo sie nicht nur der guten Wellen wegen öfters hinreist, sondern dort auch die portugiesische Herzlichkeit über alles liebt. Und sollte sie mal gerade nicht surfen oder Aufsätze korrigieren, so trifft man sie im Winter auf dem Snowboard an, wo sie bereits mehr als 10 Saisons als Snowboardlehrerin verbracht hat.

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