Cloud 9

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Cloud 9

16. April 2017 Allgemein, Mag 0

Text und Bilder: Eliana Graf

Ein Steg. Ein sehr langer Steg, der über ein Riff führt. Im Hintergrund Palmen, einige Kaffees, Hotels, ein Surfshop. Eine Traumkulisse. Etwas weiter weg sind am Horizont einige Vulkankraterberge erkennbar. Die Sonne berührt sie beinahe. Noch leuchtet sie aber in ihren kräftigen Farben und weist den Surfern den Weg zu den Wellen. Cloud 9

Ein wahrlich himmlischer Spot. Die Welle, weich und sanft, dennoch kräftig genug, um einen umzuhauen. Ich erkenne Aerials, 360‘s und einige richtig gute Turns. Wow, ich bin beeindruckt. Das letzte Mal, dass ich an einem Surfspot ein solch hohes Level gesehen habe, waren Pros mit am Start. Hier ergibt es sich einfach so. Philippinos, die ihren Homespot surfen. Ich sehe zu und kann gar nicht genug bekommen. Schiesse ein Foto nach dem anderen. Ein einziger Peak, der sich meist zu einer richtig schönen Welle verbindet. Etwas weiter vorne befinden sich unzählige Surfschulen. Einige Anfänger, die mit einem Longboard ausgestattet über jede Welle jubeln, die sie erwischen, nachdem die besseren Surfer mit ihren Shortboards sie längst zu Ende gesurft haben. Unzählige Menschen befinden sich im Wasser. Aber es lohnt sich, die Welle hier ist stärker als an den anderen Spots der Insel. Heute Morgen um 6 habe ich mich nach einer zweiwöchigen Trainingsphase in den Topspot hineingetraut. Ich habe einige Wipeouts gehabt, die zum Glück aber längst nicht so schlimm waren, wie jene, die ich bereits im Atlantik kassiert habe. Und ja, dann hatte ich sie. Meine Welle. Ich wollte nur eine haben, an diesem weltberühmten Surfort. Für mich waren zu viele Menschen im Wasser, mein Surflevel ist noch zu schlecht um im Line-up mit solchen Surfgrössen um Wellen zu kämpfen. Dennoch. Eine Welle habe ich gehabt. Ich habe sie gesurft und bin so fest wie nur möglich in die Knie gegangen, um sie auch lange genug auskosten zu können. Mehr verlange ich nicht von diesem Traumspot. Und nun am Nachmittag, in derselben Woche in der Surfen olympisch wird, realisiere ich es.

Es geht nicht drum besser als andere zu sein, erbitterter zu kämpfen. Surfen ist ein Sport der in erster Linie Spass macht, der einem die Herrlichkeit der Natur näher bringt. Es ist ein Sport der einen bescheiden, demütig und gleichzeitig auch etwas hartnäckig macht. Aber vor allem eins, glücklich. Was bringt es, einer, der besten Surfer zu sein, wenn man dabei verbissen wird und das unbeschreibliche Gefühl der Surfanfänge, mit einem Longboard die erste Welle zu stehen, verloren geht?

Bilder 1-3 und Titelbild/ letztes Bild: Cloud 9, restliche Bilder: irgendwo in Siargao

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Über den Autor

Eliana: Die Redakteurin vom WaveupMag ist vor einigen Jahren mit einem Secondhandsurfbrett aus Mozambique zurückgekehrt. Seitdem surft die Maturitätsschullehrerin und Germanistin in beinahe allen Schulferien. Ihr Lieblingsspot ist Peniche in Portugal, wo sie nicht nur der guten Wellen wegen öfters hinreist, sondern dort auch die portugiesische Herzlichkeit über alles liebt. Und sollte sie mal gerade nicht surfen oder Aufsätze korrigieren, so trifft man sie im Winter auf dem Snowboard an, wo sie bereits mehr als 10 Saisons als Snowboardlehrerin verbracht hat.

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