Salee – back to the roots of snowboardhistory

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Salee – back to the roots of snowboardhistory

16. April 2017 Allgemein, Mag 0

Text: Eliana Graf, Bilder: Salee

Dass das Snowboarden eigentlich auf das Surfen zurückgeht, werden wahrscheinlich alle wissen, die sich auch nur ansatzweise mit den verschiedenen Brettsportarten auskennen. Dass man heutzutage aber Powdersurfboards ohne Bindung kaufen kann, die im Tiefschnee funktionieren und Spass machen, wird die meisten wohl aber zünftig erstaunen.

Leander

Der Sommer neigt sich langsam definitiv dem Ende zu, als ich Leanders  Werkstatt betrete, in der die Powdersurfboards von Salee hergestellt werden. Neblig ist es und in den Beinen spüre ich bereits die ersten Abfahrten vom Snowboarden. Und so reden wir auch erst einmal darüber, ob der Winter nun kommen oder ob er uns wie die Jahre zuvor etwas enttäuschen wird.

Leander snowboardet schon eine gefühlte Ewigkeit, seit er 15 Jahre alt ist, bewegt er sich im Schnee auf einem Brett. Dabei ist er schon immer eher der Freerider gewesen. Irgendwann ist ihm dann klar geworden, dass er auch das Surfen ausprobieren muss. Es erging ihm wie den meisten von uns. Es hat ihn gepackt und er hat fortan all seine Ferien an Orten verbracht, an denen man Surfen kann. Aber dass das Surfen irgendwann sein Snowboarden verändern wird, das hätte selbst er sehr lange gar nicht für möglich gehalten. Und dass er damit ein Stück Surf- und Snowboardgeschichte schreiben wird, wohl auch nicht…

Der entscheidende Tag in Andermatt

Alles begann an einen winterlichen Tag in Andermatt. Die Jungs waren an diesem Tag schon recht früh von ihren Powderrides zurück, als Leander seine Idee in die Tat umsetzte. Warum nicht mal mit  einem Shortboard den Powderhang runterfahren? Gesagt, getan und so versuchten sich die Jungs mit dem Surfbrett in einem unüblichen Terrain. Sie suchten sich im Talboden einen flacheren Hang mit frischem Powder aus und siehe da, die Jungs entdeckten neben dem, dass es anspruchsvoller war und es sie manchmal richtig fest hingeknallt hatte, vor allem eines, dass es unglaublichen Spass machte!

Zuhause angekommen liess dieses Erlebnis Leander nicht mehr los. Er fand heraus, dass es einige wenige gibt, die mit Powdersurfbaords unterwegs sind, so beispielsweise Wolle Nywelt, ein Snowboardpro aus dem Zillertal. Darauf baute der gelernte Schreiner kurzerhand ein Brett aus Holz und geboren war das erste Powdersurfboard, das gewisse Ähnlichkeiten mit dem Snurfer, dem Vorgänger des Snowboards, von Jack Burton, hat. Bald darauf begann Leander mit verschiedenen Shapes herumzuexperimentieren. Geboren war Salee, Salee das ein sympathisches Hallo bedeutet und eine Abwandlung  von Leanders  Namen ist.

Weniger ist mehr!

Schaut man sich Salees Bretter genauer an, so sticht sofort eine sehr ausgeprägte Rockerlinie ins Auge. Es sind Bretter, die ausschliesslich aus Holz bestehen. Der Flex ist eher hart, und vom Shape her sind die Bretter unter den Füssen flach.  Einige haben einen Radius, andere nicht. Wenn man sie surft, steht man, ähnlich wie beim Surfboard hinten drauf. Das trägt dann dazu bei, dass es sich auch wie Surfen anfühlt und nicht wie Snowboarden.  Zudem haben die Bretter keine Bindung.  Und genau das ist der grosse Unterschied zum Snowboarden. Denn irgendwann in den 80er Jahren ist Jack Burton irgendwann auf die Idee gekommen, Schlaufen auf seinen Snurfer zu montieren, was dann der entscheidende Punkt gewesen ist, an dem sich das Snowboarden vom Surfen getrennt und sich selbständig  weiterentwickelt hat. Durch die Schlaufen hat er einen besseren Halt bekommen und so einige Contest gewinnen können. Der Rest ist Geschichte.  Warum also verzichten die Jungs von Salee auf die Bindung?

Das Credo lautet: Weniger ist mehr! Ja, man hat weniger Kontrolle. Und ja, es ist anspruchsvoller auf einem Powdersurfboard den Hang hinunterzufahren. Aber gerade das macht den Reiz aus. Man spürt das Gelände besser und es muss auf jede einzelne Erhebung geachtet werden. Hänge die man in- und auswendig kennt, erhalten einen neuen Reiz. Plötzlich ist die Normalität verschwunden und man muss sich wieder voll auf die Bewegungen konzentrieren. Dafür kann man dann auch die Wächten so richtig schön surfen. Die Herausforderung besteht plötzlich nicht mehr darin, fette Airs zu landen, sondern das Surffeeling in jeder einzelnen Kurve voll auszukosten. Dennoch gibt es manchmal auch Tage, an denen es mit dem Powdersurfboard halt wirklich nicht geht. Es macht keinen Sinn mit dem Powdersurfboard auf abgefahrenen Hängen voller Spuren zu fahren oder die gefrorene Harschdecke durchbrechen zu wollen. Zudem kann man das Brett nicht auf der Piste fahren. Dennoch ist das Fahren des Powdersurfboards echtes Surfen und etwas anderes als Snowboarden. Und genau so muss es auch betrachtet werden. Man erlernt einen neuen Sport, wenn auch in einer bekannten Umgebung mit bekannten Bewegungsabläufen. Die Bewegungen des Surfens werden mit dem Gelände und den Bergen des Snowboardens kombiniert: man surft regelrecht den Berg hinunter! Und irgendwann einmal schafft man es wie Wolle Nywelt oder Leander einen Hang von zuoberst bis zuunterst auf einem solchen Brett zu meistern.

Powdersurfboards, so schön und so verschieden!

Wirf man einen Blick auf Leanders Surfbretter, so sticht gleich etwas ins Auge. Sie sind unglaublich schön und mit viel Liebe zum Detail angefertigt. Jedes Brett ist ein Unikat und von einem Künstler gestaltet worden. So schmückt das eine Brett einen Fisch, während das andere Brett etwas Abstraktes darstellt. Auf einem Brett ist eine Welle zu sehen, auf dem anderen Brett ein Berg und auf dem nächsten ein lächelndes Gesicht mit einer Mütze. Leander und die Künstler fertigen die Bretter in ihrer Freizeit an, die meisten davon stehen auch vom Verkauf bereit. Daneben gibt es auch eine Vielzahl handgefertigter Skateboards. Es lohnt sich also definitiv auf der Homepage oder in seiner Werkstatt in Cham vorbeizuschauen.

Eine ganze Stunde ist nun vergangen, seit ich die Werkstatt betreten hab. Es ist mir keine Sekunde langweilig gewesen. Ich packe meine Sachen zusammen, setzte meine Mütze auf und verlasse den Ort mit dem Gefühl, dass ich ein solches Brett unbedingt auch einmal ausprobieren will!

Check out: www.salee.ch

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Über den Autor

Eliana: Die Redakteurin vom WaveupMag ist vor einigen Jahren mit einem Secondhandsurfbrett aus Mozambique zurückgekehrt. Seitdem surft die Maturitätsschullehrerin und Germanistin in beinahe allen Schulferien. Ihr Lieblingsspot ist Peniche in Portugal, wo sie nicht nur der guten Wellen wegen öfters hinreist, sondern dort auch die portugiesische Herzlichkeit über alles liebt. Und sollte sie mal gerade nicht surfen oder Aufsätze korrigieren, so trifft man sie im Winter auf dem Snowboard an, wo sie bereits mehr als 10 Saisons als Snowboardlehrerin verbracht hat.

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