SurfScholar – Get shacked in Lisbon while earning a Master’s degree

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SurfScholar – Get shacked in Lisbon while earning a Master’s degree

16. April 2017 Allgemein, Mag 0

Text: Eliana Graf, Bilder: Luke Dawson

Verwinkelte Gassen, enge Treppen, aus der Ferne das Quietschen eines musealen Trams. Eine schüchterne kleine Katze, die vor unseren Schritten hinter den nächsten Blumentopf flüchtet. Imposante Häuser, allesamt Zeugen längst vergangener Schifffahrtshelden, die die Geschichte eines altehrwürdigen Landes besingen. Der Blick schweift über die Dächer der Hauptstadt. Die Sonne erhellt die salzige Haut und das nasse Haar mit der Kraft des Südens. Direkt von der Spitze des weissweichen Wellenkamms, hin zum Kaffee mit Milchschaum und Meeresblick. Anschliessend die nächste Vorlesung. Der Traum eines jeden surfenden Studenten.

Die Idee

Diesen Traum für Dich zu verwirklichen haben sich Sam und Simon Einstein, gemeinsam mit ihrem deutschen Studienfreund und Businesspartner Toby Gutsche, zum Ziel gesetzt. In Venice LA aufgewachsen, in Besitz eines roten Passes mit weissem Kreuzchen und von der Zauberkraft der portugiesischen Wunderwellen angezogen, haben die Zwillingsbrüder ein Unternehmen ins Leben gerufen, das es ermöglicht, genau diesen Traum Realität werden zu lassen. Von einem Ort kommend, in dem das Studieren sehr teuer ist, war für die beiden schnell klar, dass sie hier ein Weilchen bleiben wollten. Und so gelang es ihnen, eine Balance zwischen dem Reiten traumhaft magischer Wellen und der Aktivierung grauer Zellen zu finden. Doch sie waren clever genug, um nicht nur selber die Vorzüge dieses Ortes zu geniessen, sondern daraus ein Projekt entstehen zu lassen, welches Dir ermöglicht dieselben Vorzüge des Ortes zu geniessen. Sie nannten es SurfScholar.

Das Projekt

Die Idee ist bestechend einfach und somit schnell erklärt. Planst Du deinen Masterabschluss mit Lissabons Wellen zu kombinieren, darfst du dich bei SurfScholar melden. Sie organisieren die Einschreibung an der Uni, du bezahlst die regulären Immatrikulationsgebühren (zwischen 3000 und 6000 Euros für das Gesamtpaket) und darfst Teil der SurfScholar-Familie sein, die regelmässig gemeinsam loszieht, um zu surfen oder auch mal um Lissabons Altstadt unsicher zu machen. Der Unterschied zum Erasmus-Programm ist, dass du dein Masterstudium hauptsächlich in Lissabon absolvierst. Im Gegensatz dazu bietet Erasmus dir lediglich die Möglichkeit eines zeitlich beschränkten Austausches an, welcher meist ein Semester dauert. Während des Absolvierens des Erasmus-Programmes bleibst du also an deiner Schweizer Uni eingeschrieben. Meldest du dich bei SurfScholar, absolvierst du das gesamte Masterprogramm an einer der Universitäten Lissabons. Von Lissabons Unis aus, kannst du aber, wie jeder andere Studierende ebenfalls, an Erasmus oder an anderen Auslandprogrammen teilnehmen. Im Gegensatz zu den Schweizer Unis zeigen sich jedoch die portugiesischen Universitäten etwas grosszügiger mit der Anrechnung von externen ECTS-Punkten. Lissabons Unis bieten einige Masterprogramme in Englisch an, dies vor allem in verschiedenen Bereichen der Wirtschaftswissenschaften. Die bekannteste Option ist der Master in Tourismus. Doch auch wer sich in Finanzen, Marketing oder HR spezialisieren möchte, kann dies in Lissabon tun. Und ganz passend zur internationalen Erfahrung lässt sich auch Internationales Management studieren.

Damit alleine begnügen sich jedoch die Jungs von SurfScholar bei weitem nicht. Laufend halten sie Ausschau nach weiteren Optionen, die das Surfen, Studieren und Arbeiten miteinander kompatibel machen. Hast Du genug vom tristen Büroalltag in der nebligen Schweiz und suchst nach einer Möglichkeit irgendwo auf dieser Welt neben dem Surfen ein Einkommen zu generieren? Liegen dir die englische Sprache und das Unterrichten? Dann los, auf nach Lissabon und werde zur einer von der University of Cambridge zertifizierten Englischlehrperson für fremdsprachige Erwachsene. Ähnlich wie man das Advanced, Proficiency oder Business Englisch-Zertifikat machen kann, bieten die University of Cambridge das CELTA-Diplom für werdende Englischlehrkräfte an. Der Pass, der es dir ermöglicht, wo auch immer du dich gerade auf dieser Welt befindest, Englisch für Fremdsprachige zu unterrichten.

Du möchtest aber lieber die Vorzüge eines surfenden digitalen Nomaden voll und ganz auskosten? Auch da bietet SurfScholar eine Lösung für dich. In Zusammenarbeit mit ‚Le Wagon‘ kannst Du in Lissabon ein Bootcamp besuchen, um in die Welt des Programmierens einzutauchen und die Fähigkeiten zur Erstellung von Webapplikationen zu erlernen. Auf die Welt der Startups zugeschnitten, bietet dir das Programm die Grundlagen zum Führen eines Lebens jenseits von starren Bürozeiten und stinknormalen 0815-Jobs. Alles in allem natürlich kombiniert mit der Möglichkeit jeden Tag zu surfen und Teil der surfstudierenden Community Lissabons zu sein. 

Die Brüder

Doch wer sind die beiden überhaupt? Dass sie aus Kalifornien stammen, ist ja bereits aus einem obigen Abschnitt bekannt. Dort sind sie auch bis zum Bachelor Abschluss wohnhaft gewesen. Dann habe es sie in die Ferne gezogen, einmal mit einem Abschluss in Philosophie und einmal mit einem Abschluss der Global Studies in der Tasche. Die Reise hat sie durch verschiedenste Länder und Erfahrungen geführt, so hat Simon in Spanien Englisch unterrichtet, um nachher in einem Surfresort in Nicaragua zu arbeiten. Sam hat mit seinem Surfbrett die Küsten Europas erkundet, nachdem er zuvor ein Jahr lang in Los Angeles gearbeitet hat. In Lissabon haben sich ihre Wege wieder gekreuzt, die unbestechlichen Standortvorteile liessen die beiden sesshaft werden. Dort hat Simon einen Master in Nachhaltigen Tourismus erlangt und Sam das Masterstudium in Marketing absolviert. In Portugals aufstrebender Surfindustrie haben sie nun ihren Platz gefunden und sehen sich als Entrepeneure, die mit einem Startup die Welt von morgen prägen. SurfScholar zu gründen, war etwas wozu sie sich beinahe etwas verpflichtet gefühlt haben, nachdem sie die Vorzüge Lissabon selbst erlebt haben. Ihnen gemeinsam ist, dass sie gerne etwas Nützliches für die Welt machen. Sie sind sehr kreativ, somit auch innovativ, und haben Freude daran, unbeschrittene Pfade zu begehen. Ich selber erlebe die beiden im Gespräch mit mir als aussergewöhnlich respektvoll, als zwei Menschen, die mit ganz viel Herzblut und einer besonders grossen Portion an Hilfsbereitschaft und Weitblick durch die Welt ziehen. Auf ihren Idealismus angesprochen meint Simon:

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Wir sind individualistisch geprägt und haben in vielen Dingen einen eigenen Kopf. Daher rührt unser ‚Idealismus‘, der sich auch in unseren geschäftlichen Ideen und Tätigkeiten zeigt. Ist es nicht besser, Ideale anzustreben, als dem Pessimismus und der Konformität zu erliegen?“ Simon Einstein

Ist es nicht besser, Ideale anzustreben, als dem Pessimismus und der Konformität zu erliegen? Steckt in diesem letzten Satz nicht unglaublich viel Weisheit? Den lebensverändernden Charakter dieses Satzes erkennend, erstaunt es dann auch nicht, dass Simon die Frage zu einer Verwandtschaft mit einem bekannten Herrn aus einem längst vergangenen Jahrhundert, bejaht. Albert Einstein, ist tatsächlich einer der Urgrossväter von Sam und Simon. Er, der durch das Erstellen der Relativitätstheorie mit sämtlichen Konventionen die Welt zu betrachten gebrochen hat. Aber daraus möchten die beiden gar kein grosses Aufheben machen und so ist es auch typisch, dass sie dies niemals von sich aus angesprochen hätten.

Das erste Mal mit Schweizer Surfern in Berührung gekommen, sind Sam und Simon während ihren unzähligen Surfreisen.

Für mich waren Surfen und die Schweiz immer zwei unterschiedliche Dinge. Und nun, da ich Schweizer Surffreunde habe, ist dies zusammengekommen. Durch das Kennenlernen Schweizer Surfer habe ich ein neues Verständnis der Schweizer Kultur gewonnen.“ Sam Einstein

Zuvor habe er eine etwas andere Perspektive auf die Schweiz gehabt. Surfen und die Schweiz seien für ihn nie in einem engen Zusammenhang gestanden, habe er doch die Schweizer Kultur nur von seinen kurzen Besuchen in der Schweiz und von den Erzählungen seiner Berner Eltern gekannt. Wenn er an die Schweiz denke, empfinde er das Gefühl der heimatlichen Wärme. So freute es ihn besonders, 2013 bei den Schweizer Meisterschaften teilzunehmen (Anm. d. Red.: und dabei sogar einen Pokal mit nach Hause zu nehmen). Insgesamt falle ihm auf, dass Schweizer im Vergleich zu anderen Nationen eher längere Zeit für das Schliessen von Freundschaften benötigen. Dies empfinde er aber gerade bei Schweizer Surfern umgekehrt. Das erstaune ihn besonders, sei doch Surfen eine der Sportarten, in denen der Konkurrenzkampf um die nächste Welle besonders ausgeprägt ist. Dies erlebe er bei den normalerweise schüchternen Schweizern ganz anders. Es schliessen sich Freundschaften auf eine für die Sportart unglaublich erstaunende Schnelligkeit.

Die WellenIMG_3626-min

Portugal bietet die besseren Wellen als das südliche Kalifornien. Zudem sind sie zur frühen Stunde meist uncrowded. Die Portugiesen surfen nicht am Morgen.“ Sam Einstein

Da musste ich schon zweimal hinhören, als mir Sam während des Interviews plötzlich den Satz entgegenschmetterte, in dem er behauptete, dass Portugal die besseren Wellen als das südliche Kalifornien zu bieten habe. Stammt doch dieser Satz von einem, der es wissen muss, von einem, der in Kalifornien surfen gelernt hat und bereits einige Wellen auf dieser Welt mit seinem Surfbrett gebändigt hat. Wir Europäer, die noch nie in Kalifornien gewesen sind und wir, die davon träumen, einmal im Leben in Hawaii oder eben in Kalifornien zu surfen, staunen nicht schlecht, wenn sich ein gebürtiger Kalifornier zu solch einer Aussage verleiten lässt. Aber wie bereits erwähnt, stammt dieser Satz von einem, der weiss, wovon er spricht und der, nachdem er mich mit dieser Aussage etwas sprachlos gemacht hat, auch die dafür notwendige Erklärung liefert. Portugals Küstenlinie verlaufe nicht gerade, die unzähligen Buchten seien verschieden ausgerichtet und je nach Swell, finde sich immer ein Spot, der sich surfen lasse. Zudem weisen die Wellen über eine höhere ‚consistency‘ als kalifornische Wellen auf. Ganz zu schweigen von den portugiesischen Weltklassewellen wie Supertubos, Ericeira oder Nazaré. Oder davon, dass diese Wellen John John Florence zum diesjährigen Weltmeister gekürt haben. Dennoch seien die Wellen ähnlich und durchaus mit den Wellen Kaliforniens vergleichbar. Mit enem Unterschied eben, Portugiesen surfen nicht am Morgen.

Get your mind openend

Nachdem nun das Projekt erklärt ist und wir die beiden surfenden Kreativköpfe etwas näher kennen lernen durften, bleibt an dieser Stelle noch lediglich eine Frage unbeantwortet. Bietet SurfScholar einen Nutzen jenseits der Vereinbarkeit von Studium, Arbeit und Surfen?

Da ich selber den positiven Einfluss erlebt habe, den das Reisen, Studieren oder Arbeiten im Ausland auslöst, freut es mich, diese Möglichkeit durch SurfScholar auch anderen zu bieten.“ Simon Einstein

Es ist unbestritten, dass Auslandaufenthalte unglaublich inspirierend und lebensverändernd sind. Sie machen einen aufgeschlossener, flexibler und unabhängiger. Sie lassen uns alteingesessene Verhaltensweisen hinterfragen und helfen uns somit überflüssige kulturelle Prägungen zu überwinden. Sie machen uns freier im Denken und Sein. Wieso also all diese Vorzüge nicht mit dem Surfen und Erleben einer der schönsten Städte Europas in netter Gesellschaft verbinden?

Surfer Bild 1: Simon Einstein, Surfer Bild 2 und letztes Bild/ Titelbild: Sam Einstein

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Über den Autor

Eliana: Die Redakteurin vom WaveupMag ist vor einigen Jahren mit einem Secondhandsurfbrett aus Mozambique zurückgekehrt. Seitdem surft die Maturitätsschullehrerin und Germanistin in beinahe allen Schulferien. Ihr Lieblingsspot ist Peniche in Portugal, wo sie nicht nur der guten Wellen wegen öfters hinreist, sondern dort auch die portugiesische Herzlichkeit über alles liebt. Und sollte sie mal gerade nicht surfen oder Aufsätze korrigieren, so trifft man sie im Winter auf dem Snowboard an, wo sie bereits mehr als 10 Saisons als Snowboardlehrerin verbracht hat.

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